Interview: So geht ein RS4-Umbau

RM-Tuning baute die Audi RS4 (B5) Limousine auf

RM-Tuning baute die Audi RS4 (B5) Limousine auf

Wenn eine Tuningfirma eine Audi S4 Limousine zu einer Audi RS4 Limousine umbaut, sind ein paar offene Fragen im Raum. Schließlich ist das ein Umbau, der sehr kompliziert und speziell ist. Wir von MyDirtyRacing trafen uns mit RM-Tuning, um zu erfahren, wie der Komplettumbau mit dem Motortuning von Statten ging. Die beiden Jungs erklären in diesem Interview, wie sie das RS4-Unikat in ihrer Tuning-Werkstatt in Frankenberg gebaut haben.

Der Ursprung: Eine Audi S4 (B5) Limousine

Der Ursprung: Eine Audi S4 (B5) Limousine

 

MDR: Ihr habt eine Audi S4 Limousine auf RS4-Technik umgebaut – Warum?
Weil es einfach geil ist, und die Grundvoraussetzungen für den Umbau gegeben waren. Die quattro-Technik ist super und Audi ist ein Markenzeichen. Die Qualität stimmt einfach, und deswegen hatten wir die beste Basis, um so ein Fahrzeug zu bauen.
Dieses Fahrzeug in dem Baujahr gab es damals nicht als Limousine zu kaufen, nur als Avant. Wir wollten etwas Einzigartiges schaffen, das die schöne Linienführung des RS4 hat, und damit auch die Fahreigenschaften und den Radstand.

MDR: Wie verlief der Ablauf des RS4-Umbaus?
Als Erstes haben wir die S4 Limousine komplett in seine einzelnen Bauteile zerlegt, dann die Anbauteile demontiert, die hinteren Blechwände herausgenommen und Maß genommen. Das Spenderfahrzeug, den RS4, haben wir auch in der gleichen Reihenfolge zerlegt und die hinteren Seitenwände herausgetrennt, haben sie an die S4 Limousine angepasst, angeschweißt, verschliffen und verspachtelt. Dann haben wir die Blechbauteile wieder anmontiert und uns danach dem Motor gewidmet.

Die Kotflügel des RS4-Spenderfahrzeugs wurden fachgerecht eingeschweißt

Die Kotflügel des RS4-Spenderfahrzeugs wurden fachgerecht eingeschweißt

Den Basis-Motor des RS4 haben wir zuerst komplett zerlegt und haben aufgelistet, was wir brauchen, damit die Leistung erreicht werden kann und später standfest fährt. Im nächsten Step haben wir den Motor mit seinen Einzelkomponenten wieder zusammengebaut. Dann ging das Fahrzeug zum Folierer und wurde dort im MyDirtyRacing-Design gestyled. Zu guter Letzt wurden die Räder, Fahrwerk und Bremsanlage eingebaut. Im Innenraum haben wir jedes überflüssige Gewicht demontiert, Bügel und Sitze eingebaut, das Armaturenbrett wieder zurechtgemacht, Motor rein – fertig.

MDR: Das klingt nach einer Menge Arbeit. Was genau habt Ihr am Motor gemacht?
Der Motor ist auf drei Liter aufgebohrt und mit modifizierten RS6-Ladern bestückt. Dazu kommen natürlich Kleinigkeiten wie Einspritzdüsen, Luftansaugung, Ladeluftkühler und so weiter. Aber die genauen Bauteile, und was wir im Einzelnen gemacht haben, können wir natürlich nicht verraten, da man als Tuner immer ein As im Ärmel haben und schneller sein will, als der Rest.

RM Tuning kümmerte sich um einen starken Audi RS4-Motor

RM Tuning kümmerte sich um einen starken Audi RS4-Motor

MDR: Die Abgasanlage ist Marke Eigenbau. Was habt Ihr da genau konstruiert?
Die Abgasanlage war ein wichtiger Punkt bei diesem Motor, da er sehr viel Abgas produziert. Durch den Hubraum und die großen Lader, die auch angetrieben werden müssen durch die Abgase, hat man das Problem von Hitzestau und von Gegendruck in der Abgasanlage. Um dem standzuhalten, haben wir die Abgasanlage selbst konstruiert. Die vorderen Rohre haben 76 mm und gehen dann auf 90mm. Also quasi Freiluft.

MDR: Was für ein Drehmoment hat der RS4-Motor? Kommen die anderen Bauteile damit zurecht?
Wir schätzen zirka 800 Nm. Unglaublicherweise halten die Teile. Das kann sich keiner so richtig erklären, aber die Audi quattro-Technik ist grundsolide und standfest. Bis jetzt gab es keinerlei Probleme, selbst mit Leistungen, die sich in diesem Bereich bewegen. Kupplung und Schwungmasse müssen natürlich modifiziert werden bei den Leistungen auf diesen Basismotor. Sie sind aber auf diese Leistung ausgelegt. Das Getriebe hält bisher, falls es doch zukünftig Probleme geben sollte, haben wir noch ein paar Asse im Ärmel, um das Ganze noch zu verstärken.

Die Audi S4 Limousine mit eingebautem RS4-Motor

Die Audi S4 Limousine mit eingebautem RS4-Motor

MDR: Was hat sich beim Umbau als besonders kompliziert und schwierig herausgestellt?
Die ganzen Kleinteile, an die man vorher nicht denkt. Dort ein Kabel, hier eine Schraube. Man steckt den Schlüssel rein und irgendetwas leuchtet nicht oder es leuchtet das Falsche. Das sind so Knackpunkte.

MDR: Wie war die Resonanz auf die Audi S4 Limousine bei den bisherigen Tuning Treffen und Messen?
Absolut gigantisch. Das Fahrzeug kommt super an. Die Tuning Fans interessieren sich besonders für den Motor und die Karosserieumbauten. Das Fahrzeug spricht einfach für sich. Es ist einzigartig. Na gut – es wird sicherlich noch irgendwo eins rumfahren, das umgebaut wurde zum RS4, aber man sieht das höchst selten. Es ist ein geniales Konzept, mit der MyDirtyRacing-Folie und allem Drum und Dran. Außerdem beeindruckt die Kombination aus Rennsport und Straßentauglichkeit.

Die fertig folierte RS4 Limousine wird endlich abgeholt

Die fertig folierte RS4 Limousine wird endlich abgeholt

 

MDR: Gibt es noch Details am Audi, die man hervorheben kann?
Alles Unnötige ist weg. Das Armaturenbrett wollten wir so lassen, damit man das Gefühl hat, in einem Audi zu sitzen. Das ist ja auch eine Sicherheitsfrage. Bei der Leistung will man schon gerne einen Airbag vor sich haben. Deswegen haben wir hinten auch einen Überrollbügel eingebaut. Bei den Felgen haben wir sehr aufs Gewicht geachtet. Die OZ Ultraleggera zählen zu den leichtesten Tuning-Felgen aus Aluminium, die es zu kaufen gibt.

MDR: Warum tuned Ihr?
Der Reiz ist es, sich sein Auto so zurecht zu bauen, wie man es haben möchte. Etwas Einzigartiges auf die Beine zu stellen, bei dem man sagen kann „das ist mein Werk, das ist meine Welt“. Das Ziel ist immer ein Quäntchen mehr rauszuholen, schneller zu sein als der Rest.

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